Benefizkonzert des Bezirkschores Erfurt

Eine festliche Intrada für Horn und Orgel von Henry Purcell war der Auftakt für eine besondere Stunde mit dem Bezirkschor des Kirchenbezirkes Erfurt unter Leitung von Priester i.R. Roland Günther in der Neuapostolischen Kirche in Erfurt. Der Chor präsentierte sein aktuelles Programm nach der ersten Aufführung im Oktober 2012 in Weimar nun als zweites Benefizkonzert zugunsten der Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena e.V.

Bekenntnis und Zuversicht klangen aus den im 19. Jahrhundert von Johann Heinrich Lützel vertonten Psalmworten "Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln". Und der Rat "Wirf dein Anliegen auf den Herrn" in der musikalischen Formulierung von Felix Mendelssohn Bartholdy folgte wie eine logisch abgeleitete Schlussfolgerung, untermauert durch den Glauben, die Hoffnung, vielleicht auch die Erfahrung des Psalmisten, dass "seine Gnade reicht so weit der Himmel ist".

"Amazing Grace" – eine erstaunliche Gnade! Die eingängige, beinahe volkstümliche Melodie des bekannten Liedes in einer zeitgenössischen Bearbeitung von Thomas Swartman breitete sich wie eine sanfte Decke, gewoben aus wunderschönen Klängen des Hornes, begleitet von der Orgel, aus. Und doch bleibt manch banges Fragen nicht aus. Aus der Deutschen Messe von Franz Schubert erklang "Wohin soll ich mich wenden in meiner Seele Schmerz?" Eine Antwort gab das Engels-Terzett aus dem ELIAS von Felix Mendelssohn: "Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von welchen dir Hilfe kommt." Mit einer weiteren Psalmvertonung Mendelssohns, dem mitreißend vorgetragenen "Jauchzet dem Herrn alle Welt", schloss der zweite thematische Liederblock ab.

Besondere Akzente erfuhr das Konzert mit dem Übergang zum vom Chor gefühlvoll besungenen Thema des göttlichen Friedens durch die instrumentalen Einlagen, wie die Cantilene für Horn und Orgel von A. Schönberger, der dankenswerter Weise auch die Begleitung des Konzertes an der E-Orgel übernahm, sowie das Alphornlied von T. Swartmann, bei denen der junge Hornist André Schnabel (17) aus Tambach Dietharz sich mit wunderschönen, warmen Horn-Klängen in die Herzen des Publikums spielte, das fortan seinem Applaus freien Lauf ließ. Als weiteres Nachwuchs-Talent brillierte Felix Beck aus Stadtilm (14) am E-Piano mit der temperamentvollen Chorbegleitung von "Verleih uns Frieden" von Felix Mendelssohn.

Den abschließenden Teil des Konzertes bildeten wiederum wunderbare Klänge von Felix Mendelssohn, die Ausblicke aus dem Glauben über die Gegenwart hinaus transportierten, in "Wie wird uns sein" – wenn sich letztlich der Glaube erfüllt –, und aus dem Oratorium ELIAS, op.70 kam gleichsam die Antwort "Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig". Und nach dem mächtigen Danklied aus dem Männerchor "Nun danket alle Gott", natürlich in einem Satz von Mendelssohn, erklang als krönender Schlusspunkt, sozusagen allen etwas mit auf den Weg gebend, als zuversichtliche "take home message", wiederum aus dem Oratorium ELIAS, "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen".

Mit dem feinsinnig ausgewählten Liederprogramm, dominiert von zeitlosen, schier unerschöpflichen Psalmen, die durch die Zeiten hindurch Komponisten immer wieder zur musikalischen Darstellung anregten, hier wiedergegeben vor allem in der Klangsprache der Romantik, mit viel Engagement und Ausdruck von den Sängerinnen und Sängern des Bezirkschores vorgetragen, akzentuiert und bereichert durch die wohlgeformten Klänge des Horns, gab der Dirigent, Dr. Roland Günther, seinen Ausstand als Chorleiter. Bereits mit 16 Jahren ließ er sich zum Mitwirken in der Chorarbeit in seiner Gemeinde gewinnen. Er eignete sich frühzeitig im Selbststudium der Standardliteratur einschlägige Grundlagen der Chorleitung an und war seither mehrere Jahrzehnte lang als Vizedirigent in verschiedenen Gemeinden, seit 1974 in Weimar, sowie seit 1995 des Bezirkschores, dessen Gesamtleitung er vor 3 Jahren übernahm, tätig. Nun ist er im sogenannten Ruhestand. Das engagierte Mitwirken der beiden jugendlichen Talente an Horn und Klavier versinnbildlichte auch einen Blick nach vorn, es geht weiter. Und es ist schön, wenn Traditionen in der einen oder anderen Form weitergepflegt und weiterentwickelt werden.

Der Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena e.V. konnten aus beiden Benefizkonzerten insgesamt etwa 1000 Euro Spenden über NAK-karitativ überwiesen werden. Es sei allen herzlich gedankt, die dazu beigetragen haben.

I.G.