Brillantes Orgelkonzert

Der sympathische, 1973 geborene, mittlerweile international bekannte und geschätzte Organist und Kantor der Frauenkirche zu Dresden, Matthias Grünert, gab am Freitag, 12. Oktober 2012, an unserer bewährten Orgel eine beeindruckende Probe seines Könnens ab. Passend zum Weimarer Zwiebelmarktauftakt öffnete Matthias Grünert das Tor zu einer virtuos erheiternden, leicht verständlichen Orgelwelt.

Das einleitende Allegro brillante von Vincenzo Antonio Petrali, einer herausragenden Figur italienischer Organisten des 19. Jahrhunderts, schuf eine Atmosphäre der Fröhlichkeit, die nicht zuletzt durch die adäquate Registrierung an eine Drehorgel erinnerte. Von Johann Christian Heinrich Rinck, einem 1770 in Elgersburg bei Ilmenau geborenen, zum besten Organisten seiner Zeit avancierten thüringischen Komponisten, dessen Lieder fester Bestandteil unserer Chormappe sind (z. B. CM 166, 231, 252), erklang das Konzert F-Dur. Dieses Werk in drei Sätzen schien dem Organisten auf den Leib geschrieben zu sein. Einem ausgedehnten, raffiniert registrierten Allegro maestoso folgte ein präludierendes, intermezzohaftes Adagio, das in ein virtuos vorgetragenes, durch ein einprägsames Thema gekennzeichnetes Rondo mündete.

Die anschließende Sinfonia eines Anonymus aus dem 18. Jahrhundert, geprägt durch ein simples Dreiklangthema, war sicher als Überleitung zu den darauffolgenden, höchst amüsanten 5 Flötenuhrstücken von Joseph Haydn ("Der Kaffeeklatsch") gedacht. Dem vorletzten Programmpunkt, dem luftig-duftigen Allegretto merkte man nicht an, dass der 1865 in Mill Lane Blackburne geborene Komponist William Wolstenholme von Geburt an blind war.

Dass Matthias Grünert auch in die Tiefe interpretieren kann, bewies er mit der Sonata II c-Moll Op. 65, 2 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Für die besonders Interessierten war es im Übrigen aufschlussreich, die Interpretation des 3. Satzes Allegro maestoso e vivace mit der von Albert Schönberger am Sonntag zuvor als Prolog zum Bezirkschorkonzert zu vergleichen. Die gleiche Orgel, das gleiche Musikstück und dennoch gab es, wenn auch kleine, Unterschiede. Die Musik ist ein Wunder!

Den Ausklang des zuhörerfreundlichen, hochmusikalischen Orgelkonzertes bildete das berühmte Air von Johann Sebastian Bach aus der Orchestersuite D-Dur als Zugabe. Einen Gedanken allerdings bin ich nicht losgeworden: Sollte man nicht diesem vortrefflichen Musiker eine Orgelimprovisation entlocken? Vielleicht das nächste Mal!

H.G.