Ökumenischer Gemeindeabend in Sömmerda

Christen aus vier Konfessionen trafen sich am Mittwochabend im Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) in Sömmerda in der Thälmannstraße zu einem Kennenlernen.

Frau Christiane Brandt als Hausherrin eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die zahlreichen Besucher. Das Motto des Abends lautete:

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob.“

Während sich die evangelischen Christen, die katholischen Christen und die Baptisten bereits kannten, war es das erste Mal, dass Mitglieder der neuapostolischen Gemeinde Sömmerda dabei waren. Nach einem gemeinsam gesungenen Kanon lockerte sich die freudige Anspannung.

Joachim Brandt von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde begann mit der Vorstellung seiner Gemeinschaft: „Als ‚evangelisch‘ und ‚freikirchlich‘ halten wir uns an die Lehre von Jesus Christus. Mit dem biblischen Vorbild der Taufe an Jugendlichen und Erwachsenen treten die Mitglieder in den heilsentscheidenden Glauben an Christus ein. Jedes Mitglied kann alle Gemeindeaufgaben ausüben. Dazu zählen insbesondere das Taufen, Abendmahl halten und Predigen. Oft kommen freigestellte evangelische Pfarrer zur Unterstützung zum Gottesdienst. Die Glaubenstaufe ist ein hohes Fest und wird besonders gefeiert. Das Abendmahl wird als Gedächtnismahl begangen. Die rund 40 Mitglieder in Sömmerda finanzieren das Gemeindeleben aus eigener Kraft. Eine Liturgie für den Gottesdienst gibt es nicht.“

Als Nächste trat Pfarrerin Juliane Baumann an das Pult und stellte den erweiterten Evangelischen Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda vor: „Unsere Kirche geht auf die Reformationsereignisse durch Luther und Melanchthon zurück. Wir verstehen uns als einen bunten Garten, den man erleben kann. Für alles, was einen Menschen bewegt, gibt es ein offenes Ohr zur gegenseitigen Annahme und zum Näherkennenlernen. In vielfältigster Weise stehen wir an der Seite der Menschen, insbesondere der Hilfebedürftigen. In den einzelnen Kirchen wird ein unterschiedliches kulturelles Programm dargeboten.“

Anschließend war die Neuapostolische Kirche an der Reihe. Gemeindevorsteher Mike Pallaske erläuterte Geschichte und Entwicklung seiner Kirche: „Wie bei den Baptisten gehen die Anfänge auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa zurück. Lange Jahre nach außen verschlossen, werden jetzt die Ökumene und die Öffentlichkeit gesucht. Die Neuapostolische Kirche ist Körperschaft des öffentlichen Rechts und finanziert sich selbst. Wie die erste Ur-Christengemeinde wird die Kirche heute von Aposteln geleitet. Die ersten Apostelrufungen der Neuzeit erfolgten 1832 in England. In den Gottesdiensten wird das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus, den Menschen verkündigt. Die Amtsträger haben keine theologische Ausbildung und predigen frei. Es werden drei Sakramente gespendet: Taufe, Versiegelung und Abendmahl.“

Zuletzt stellte Pfarrer Christian Bock seine römisch-katholische Gemeinde der Pfarrei „St. Franziskus von Assisi, Sömmerda“ vor: „Katholisch geht auf ‚allumfassend‘ in der sichtbaren und unsichtbaren Wirklichkeit zurück. Die Heilige Schrift bildet mit den Worten Jesu das Fundament der Kirche. Es werden sieben Sakramente gespendet: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Ölung, Priesterweihe und Ehe.
Da Sömmerda zum Kernland der Reformation gehört, kam der katholische Glaube erst mit der Industrialisierung nach Sömmerda. Mit dem Zuzug von Christen nach dem 2. Weltkrieg blühte die Gemeinde auf. Heute ist, wie bei allen hier anwesenden Kirchen, auf Grund des demografischen Wandels ein Rückgang zu verzeichnen.“

Bei allen vier Christengemeinden stehen die Betreuung der Mitglieder und die Missionsarbeit im Vordergrund. Kindern, Jugendlichen, Familien und Senioren werden vielfältigste Veranstaltungen angeboten. Hier gibt es keine Unterschiede zwischen den Kirchen.

Durch vielfältige Veränderungen in den letzten Jahren haben sich alle vorgestellten Kirchen zu dem entwickelt, was sie jetzt darstellen.

Nun setzten sich die Christen gemischt an die Tische. Es gab regen Gesprächsbedarf. Trotz unterschiedlicher Herangehensweise in den einzelnen Kirchen wurden viele geistliche Übereinstimmungen festgestellt.

Die Zeit verging viel zu schnell. Zum Schluss betete Pfarrer Bock mit allen gemeinsam das Vaterunser. Gemeindeevangelist Mike Pallaske sprach den Schlusssegen.

Man trennte sich mit dem Wunsch einer Fortsetzung der Glaubensgespräche.

Text, Fotos: P.G.