Kindergottesdienst in Gotha

Im Kindergottesdienst für die Bezirke Erfurt, Gotha und Meiningen gelang es Bischof Wittich, die Kinder in die biblische Begebenheit vom blinden Bettler Bartimäus mitzunehmen.

Schon vor dem Gottesdienst konnten die Kinder im Nebenraum einmal die Sinne testen, die einem noch zur Verfügung stehen, wenn man blind ist. Da gab es beispielsweise mit weichen und kratzigen Gegenständen bestückte Fühlboxen. Weiter sollte man die in kleinen Dosen befindlichen Duftstoffe erkennen, die von Knoblauch- bis zu Seifennote reichten. Aber auch Würfel, die die Kinder anhand von Klappergeräuschen paarweise sortieren sollten, waren Testobjekte.

Der Kinderchor leitete den Gottesdienst ein mit dem Lied „Der Gottesdienst soll fröhlich sein, so fangen wir nun an…“ Das war er auch, ein tiefgreifender und auch zugleich fröhlicher Gottesdienst. Bischof Ralph Wittich gelang es, die Kinder in die Geschichte des Bartimäus mitzunehmen. Auch wenn die Menschen und Orte damals andere Namen hatten als Ohrdruf, Meiningen und Madrid (mit seinem „Vorort“ Real), so waren die Menschen doch ähnlich geartet wie heute. Bartimäus war blind und konnte sich deshalb seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen. Bestimmt hatte er schon von Jesus und seinen Wundern gehört. Als Jesus in der Stadt Jericho war, ergriff er seine Chance und rief nach ihm. Er wollte endlich gesund werden. Die anderen fuhren ihn an, er solle ruhig sein, sie könnten nichts verstehen. Schließlich war Jesus ein angesehener Mann und er selbst „nur“ ein Bettler…“Das nervt einfach nur!“, würde man heute sagen. Diesen Ausspruch hatten bestimmt viele Kinder schon einmal gehört. Doch Bartimäus ließ sich nicht aufhalten und rief noch lauter. Das war auch gut so, denn Jesus war zum letzten Mal in Jericho. Wie wäre es wohl sonst geworden? Der Bischof nahm den Kindern das Versprechen ab, dass auch sie nicht aufgeben, sondern dranbleiben, wenn der liebe Gott beim ersten Mal nicht zu hören scheint. Als Jesus Bartimäus zu sich rief, warf dieser seinen Mantel weg (und das konnte man förmlich spüren) und lief, sich durch die Menge tastend, zu Jesus hin. Nach der Heilung hat es bestimmt vieles gegeben, was sich hätte Bartimäus endlich ansehen wollen, aber er bedankte sich und folgte Jesus nach. So wollen wir es auch tun.

Bezirksältester Dietmar Voigt ging in seinem Predigtbeitrag auf die „3 W`s“ ein: wundern - wagen - wissen. So wunderten sich einmal Jugendliche, wie ein Blinder trotzdem so fröhlich sein kann. Sie wagten sich, ihn zu fragen und in seine Welt einzutauchen und waren am Ende erfüllt von dem Wissen, dass Blinde nicht Mitleid brauchen, sondern dass sie nur beeinträchtigt und sonst völlig normal sind.

Den Gottesdienst gestalteten die Kinder mit ihren zahlreichen und in verschiedenen Sprachen vorgetragenen Liedern belebend mit. Zum Abendmahl: ein Kind spielte die Orgel, ein anderes blies auf der Posaune. So trugen beide zur feierlichen Umrahmung mit bei.

Am Nachmittag war man noch zusammen. Viele Kinder versammelten sich um Carina Frickmann aus Ilmenau. Sie waren kaum auf den Plätzen zu halten, als es darum ging, das Leben von blinden Menschen zu erkunden. Wie aufwändig es ist, zehn Socken zu richtigen Paaren zu sortieren, hatte sich sicher mancher nicht so schwierig vorgestellt. Das Eingießen eines Glases Wasser ging da schon besser. Eine „Rauschbrille“ und eine Brille, die das Sehvermögen bei der Augenkrankheit „Grauer Star“ imitierte, wurden von den Kindern begeistert ausprobiert.

Schließlich berichteten zwei blinde Glaubensgeschwister aus ihrem Leben und stellten einige „Helfer“ bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben vor. Da war zum Beispiel eine sprechende Armbanduhr, eine Waage, die das Gewicht ansagte, das Gesangbuch in Blindenschrift (7 dicke Ordner!) und vieles mehr. Geduldig beantworteten sie die Fragen der Kinder und ließen sich dann von ihnen erklären, wie ein Nintendo DS und eine Wii funktionieren.

Insgesamt hat diese Begegnung dazu beigetragen, manches „mit anderen Augen“ zu sehen.

A.P.