Orgel-Benefizkonzert in Sangerhausen

„Uns alle hat das Konzert mitgerissen, neue Impulse gegeben… Es war einfach wunderschön“, so ein Zitat eines Orgelfreundes aus dem Zuhörerkreis des Orgelabends mit Albert Schönberger in der NAK Sangerhausen am 16. April 2016.

Es war nicht gleich eine Zusage gekommen, doch die Orgelfreunde aus der Gemeinde Sangerhausen „blieben dran“… Albert Schönberger, Domorganist i.R. vom Hohen Dom zu Mainz, der jetzt in Weimar lebt, war ihnen kein Unbekannter mehr – und in Sangerhausen hatte sich der verlockende Gedanke eingegraben, ob Schönberger wohl auch mal die erneuerte Pfeifenorgel in der neuapostolischen Kirche in Sangerhausen – mit 24 klingenden Registern, verteilt auf 2 Manuale und Pedal – zum Klingen bringen würde…

Unter dem Benefizaspekt „Pflege der historischen Orgellandschaft in Thüringen – Projekt Holland-Orgel in Martinroda bei Ilmenau“, sagte Schönberger auf die Einladung des Gemeindevorstehers Hirte Hartmut Hahn schließlich zu, am 16. April einen Orgelabend nicht nur für das Publikum in Sangerhausen, sondern auch für seine Martinrodaer Königin zu geben.

Seit seiner ersten Begegnung mit dem Instrument bei einer Orgelerkundungstour spielt der mittlerweile emeritierte Mainzer Domorganist mindestens einmal im Jahr ein Konzert auf dem über lange Zeit wenig beachtet in die Jahre gekommenen Instrument, das 1871 hinter dem vorhandenen, wundervoll anzuschauenden barocken Prospekt der Vorgänger-Orgel in der evangelischen Dorfkirche zu Martinroda erbaut wurde.

Seit einigen Jahren finden unter Schönbergers musikalischen Leitung verstärkt Benefizkonzerte statt, um einen finanziellen Grundstock für die dringend notwendige Reinigung und Überholung des noch weitestgehend original erhaltenen Orgelwerkes – aus der Meisterwerkstatt Friedrich Wilhelm Hollands aus Schmiedefeld am Rennsteig – zu schaffen.

Der Orgelabend wurde organisatorisch durch die neuapostolische Gemeinde Sangerhausen und „concert & media weimar e.K.“ vorbereitet. „Toccata, Aria und Choral im Konzert“, so fasste Albert Schönberger sein Programm zusammen. Er hatte eine sehr interessante Programmauswahl getroffen. Neben bekannten und beliebten „Klassikern“ wie J. S. Bachs DORISCHER TOCCATA, dessen „IN DIR IST FREUDE“ aus dem Orgelbüchlein und seinem LARGO nach Antonio Vivaldi oder G. F. Händels ARIA in der Bearbeitung von A. Guilmant brachte er auch bemerkenswerte Kompositionen vielen wohl eher weniger bekannter Musiker des 19. bis 20. Jahrhunderts in phantastischer Weise zu Gehör – so eröffnete er das Konzert in subtiler Registrierung mit der TOCCATA aus Op.23 von Fernand de la Tombelle (1854-1928). In den Reigen der Toccaten fügten sich die TOCCATA (… für große Orgel) von Amédée Reuchsel (1875-1931) und die FESTIVAL TOCCATA von Percy Eastman Fletcher (1879-1932) wunderbar ein.

Dass das Konzert „uns alle … mitgerissen“ hat, lag nicht nur an den sehr temperament- und kraftvollen Toccaten, den im furiosen Allegro auslaufenden g-moll-Orgelkonzert J. G. Grauns, eines Zeitgenossen Bachs, und dem CARILLON-SORTIE von Henry Mulet, mit dem Schönberger sein Konzert sozusagen ausläutete.

Es waren auch die sensibel registrierten „leisen Klänge“, die die Zuhörer bewegten – immer wieder vom Publikum in den Gesprächen erwähnt die ARIA von Händel/Guilmant, von der es gleich noch eine mindestens ebenso schöne spontane Bearbeitung Schönbergers gab, und nicht zuletzt auch die gewaltige freie Improvisation, die facettenreich Choralmotive umspielend das ganze Farbspektrum des Instrumentes noch einmal aufleuchten ließ. „Lobet den Herren, alle, die ihn ehren…“, dieses ökumenische Loblied, bekannt bei katholischen, evangelischen und neuapostolischen Christen, klang immer wieder erinnernd und inspirierend durch.

Es war schon sehr beeindruckend, was Schönberger alles aus der Orgel herauslockte. Die gute Stimmung im Raum, im Publikum war zu spüren.

In den Gesprächen während der Pause und nach dem Konzert gaben viele Zuhörer, die nicht nur aus Sangerhausen und Umgebung gekommen, sondern z.B. auch aus Erfurt, Weimar und Pößneck angereist waren, ihrer Begeisterung über das Konzert Ausdruck. Stellvertretend sei hier die Reflektion eines Zuhörers, der sich schriftlich bei den Organisatoren des Konzertes bedankte, zitiert: „… Es war ein Orgelkonzert der Superlative. So etwas muss man erlebt haben! … Es war einfach klasse! ...“

Am Ende bekam Schönberger zwei Lieder in die Hand gedrückt, Lieder, die etwas mit der Wahrnehmung und dem Leben der Stadt Sangerhausen zu tun haben – mit der Bitte, darüber zu improvisieren: „Sah ein Knab ein Röslein steh’n“ und „Glück auf, der Steiger kommt“. Und noch einmal improvisierte der Künstler, verwob das eine Lied, das er kannte, mit dem anderen, das er jetzt kennengelernt hatte, wie er sagte, auf wunderbare Weise zu einem Spiegel der Gastgeber-Stadt.

Reich bebilderte Info-Tafeln über die Orgel in Martinroda luden in der Pause und nach dem Konzert zur Information ein. Bruder Hartung, Mitglied im Bund der Orgelfreunde und selbst Orgelspieler, schlug in seinen Schlussworten als Vertreter des Hauses den Bogen von der eben so schön verklungenen, liebevoll hergerichteten Sangerhäuser zur noch zu überholenden historischen Martinrodaer Orgel, um zusätzlich noch einmal für Spenden zu erwärmen.

Das Publikum bedankte sich für das Konzert mit kräftigem Applaus, gerührten Worten und insgesamt mit einer schönen Spendensumme. Es konnte der ansehnliche Erlös von 500 EUR an die Geratalgemeinde, zu der Martinroda gehört, für das Orgelprojekt überwiesen werden.

Allen ein herzliches Dankeschön!

Text: I.G.
Fotos: AN, I.G.