Ein Fest für die Ohren und die Gefühle

So lässt sich das Konzert des Zentralchores und -orchesters Sachsen/Thüringen der Neuapostolischen Kirche am 3. Oktober in Chemnitz beschreiben.  Im Fokus des Konzerts stand das Requiem d-Moll" von Gabriel Fauré, aber auch die weiteren, mit großer Sorgfalt ausgewählten Musikstücke, waren durch Verschiedenheit und Grandiosität gekennzeichnet.

Nach der Eröffnung durch Gemeindevorsteher Jens Morbach, erläuterte Professor Georg Christoph Sandmann in seiner Moderation das erste Orchesterstück mit dem Titel „Meeresstille und glückliche Fahrt“. Dieses wurde von Felix Mendelssohn Bartholdy komponiert und basiert auf den gleichnamigen Gedichten des Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Wie durch die bildliche Moderation von Professor Georg Christoph Sandmann deutlich wurde, greift der Komponist Themen des alltäglichen Lebens auf. Manchmal befinden wir uns in unserem Leben in schwierigen Situationen und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Aber mit Gottes Hilfe schaffen wir es diese Situationen zu bewältigen, reifen daran und kommen an unser Ziel. Und genau das drückte das Orchester eindrucksvoll mit lauten und leisen Tönen aus und gab dem Zuhörer damit eine gewisse Zuversicht.

Das nachfolgende Chorstück „Locus iste“ von Anton Bruckner mag man als schlicht bezeichnen, aber dennoch als eindrucksvoll erlebt haben. Es besteht lediglich aus drei Versen, die aber eine wunderbare Aussage tragen: „Dieser Ort ist von Gott geschaffen, ein unschätzbares Geheimnis, kein Fehl ist an ihm.“. Und der Chor transportierte das „Locus iste“ so wunderbar, dass er die Zuhörer mit dem Gefühl zurückließ, er fühlt den Text und die Melodie, die er singt.

Vor dem nachfolgenden Stück „Richte mich, Gott“, welches sich am Psalm 43 orientiert, machte der Moderator den persönlichen Bezug des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy deutlich. Denn zu dieser Zeit war Mendelssohn in Berlin angestellt und dort hatte er es aufgrund seiner jüdischen Herkunft sehr schwer. Diese Situation legte er in die Psalmvertonung. Und der Zentralchor transportierte die Bitten, aber auch die Kraft und Stärke des Stückes wunderbar zu den Zuhörenden und gab dadurch zum Ende hin Zuversicht hinsichtlich allem, was kommen mag.

Der von Rudolf Mauersberger komponierte Chorsatz „Wie liegt die Stadt so wüst“ bezieht sich auf die Zerstörung Dresdens 1945. Zu der Zeit war Mauersberger Kreuzkantor in Dresden. Er brachte seine Erschütterung und Bestürzung über die Zerstörungen mit Hilfe der Klagenlieder Jeremias und der Musik zum Ausdruck. Der Zentralchor transportierte den Schmerz, den Mauersberger gespürt haben muss, als er die Zerstörung sah, unfassbar eindrucksvoll, so dass man ihn beinah selbst spüren konnte. Besonders in den letzten Zeilen zeigte sich die Verzweiflung durch die tiefen Töne des Basses und den immer leiser werdenden Chor.
Durch das Dirigat von Roswitha Dominic, die diese Stücke dirigierte, konnten die Emotionen und die Stimmung wunderbar in den Raum übertragen werden.

Im Gegensatz zu dem Ausruf aus dem vorherigen Stück ist die „Pavane pour une infante défunte“ des Komponisten Maurice Ravel wie ein Friedensgruß. Ursprünglich hat Ravel dieses Stück 1899 als Klavierstück geschrieben. Erst 1910 schrieb er dieses einzigartige und berühmte Stück als Orchesterfassung. Zu der Zeit studierte Ravel gerade bei Fauré, was eine wunderbare Verbindung zu dem Requiem schafft.
Das Zentralorchester legte jegliches Gefühl in dieses wunderbare Stück, so dass es einerseits klang, als würde der Frühling erwachen, andererseits aber auch etwas nostalgisch, als würde man in Erinnerungen schwelgen. Es war wundervoll zu hören, wie das Zentralorchester mit zarten und warmen Klängen die vorherige Verzweiflung des Chores zu etwas Positiven umwandelte.

Nach einer kurzen Pause durften die Zuhörenden dem „Requiem d-Moll op. 48“ von Gabriel Fauré lauschen. Dieses schrieb Fauré im Jahre 1887. 1888 wurde es erstmals aufgeführt.
Wie der Dirigent Professor Georg Christoph Sandmann erklärte, ist das „Requiem d-Moll op. 48“ in sieben Teile gegliedert. Fauré hat mit diesem Werk die Sorgen vor den Sterben und das Flehen und die Bitten dargestellt, die die Menschen haben, wenn sie über die eigene Vergänglichkeit nachdenken. Aber am Ende des Requiems gibt uns Fauré eine wunderbare Vorausschau, wie es wohl sein wird im Paradies.
Das Zentralorchester und der Zentralchor setzten die unterschiedlichen Emotionen großartig um. Man konnte richtiggehend die Erwartung, aber auch die Furcht spüren. Durch die Hingabe der Sopranistin Ayda Agwa und des Baritons Andreas Drescher in den solistischen Passagen konnten die Zuhörenden die Botschaft und Empfindungen ein weiteres Mal spüren.

Und zum Ende des sechsten Teils spürten die Konzertbesucher schon, dass im letzten Teil etwas besonders Schönes auf sie wartet. Denn der Chor hinterließ eine Spannung, die durch die kurze Pause vor dem letzten Teil noch einmal verstärkt wurde. Der letzte Teil ließ bei den Zuhörenden das Gefühl zurück am Ende des Musikstücks tatsächlich in einem Garten, dem Paradies, dem ewigen Ziel angekommen zu sein.

Die gesamte Darbietung des Zentralchors, des Zentralorchester und den beiden Dirigenten, Roswitha Dominic und Professor Georg Christoph Sandmann, sowie den Solist/innen wurde zum Ende, und das zu Recht, mit tosenden Standing Ovations belohnt.

Am Ende bleibt nur noch zu sagen, wie dankbar wir sind, dass wir dieses Konzert miterleben konnten. Und wir danken für die mit Sicherheit vielen Übungsstunden und die Liebe, die alle Mitwirkenden in dieses Konzert gelegt haben.

 

Anmerkung der Redaktion:
Das Programm wurde am Erntedank-Sonntag, den 4. Oktober 2026 in der Gemeinde Plauen nochmals aufgeführt.